02
Jun
2025

Kupfernetzwerke: Qualifizieren oder Zertifizieren

1G, 5G, 10G oder PoE? Welche Messmethode liefert die verlässlichsten Ergebnisse? Wir erklären die Unterschiede und Vorteile der Messmethoden.

Mit steigenden Anforderungen an die Netzwerkinfrastruktur – sei es durch IoT, Industrie 4.0 oder den zunehmenden Einsatz cloudbasierter Anwendungen – gewinnt die Qualität von Kupfernetzwerken erneut an Bedeutung. Doch wie stellt man sicher, dass ein installiertes Kupfernetzwerk den erforderlichen Leistungsstandards entspricht? Hier treffen zwei Begriffe aufeinander, die in der Praxis oft verwechselt werden: Qualifizieren und Zertifizieren.

Zertifizieren

Die Zertifizierung oder Abnahmemessung erfolgt in der Regel nach der Installation eines neuen Netzwerks. Sie überprüft die physikalische Qualität der Kupferverkabelung und vergleicht die Messergebnisse mit den Vorgaben internationaler Normen wie ISO/IEC 11801 oder TIA/EIA-568. Dabei kommen sogenannte Zertifizierungs-Tester zum Einsatz, die eine Vielzahl an elektrischen Parametern messen, z. B.:

  • Einfügedämpfung (Insertion Loss)
  • Nahnebensprechen (NEXT)
  • Rückflussdämpfung (Return Loss)
  • Übersprechen (Crosstalk)
  • Verzerrungen der Signallaufzeit (Propagation Delay)

Ein bestandenes Zertifikat ist häufig Voraussetzung für Herstellergarantien und wird von professionellen Installateuren oder Systemhäusern erstellt.

Qualifizieren

Im Gegensatz dazu prüft die Qualifizierung, ob ein bereits vorhandenes Netzwerk eine bestimmte Anwendung zuverlässig unterstützen kann – etwa Gigabit-Ethernet oder PoE+. Diese Methode ist weniger tiefgehend und misst keine physikalischen Parameter wie NEXT oder Return Loss. Stattdessen simuliert ein Qualifizierer typische Netzwerkprotokolle und testet Funktionen wie:

  • Erreichbarkeit von Endgeräten
  • Datenrate (z. B. 100/1000 Mbps)
  • PoE-Funktionalität (Power over Ethernet)
  • VLAN- oder QoS-Tagging

Die Qualifizierung eignet sich besonders bei Moves, Adds & Changes (MACs) in bestehenden Infrastrukturen oder zur schnellen Störungsanalyse.

Welche Methode ist die richtige?

Die Wahl zwischen Qualifizieren und Zertifizieren hängt maßgeblich vom Einsatzzweck und dem Lebenszyklus der Verkabelung ab:

Zertifizierung ist der Goldstandard für neue Kupferverkabelungen und unverzichtbar für die normgerechte Dokumentation und Garantieansprüche. Die Qualifizierung hingegen ist ideal für den praktischen Einsatz im Betrieb: schnell, unkompliziert und mit klarem Fokus auf die Funktionalität.

Im Idealfall ergänzen sich beide Methoden – und die bietet der AEM TEST PRO in einem Gerät:

Der TestPro ist der ideale Tester für die Welt der aktiven und passiven Netzwerkqualifizierung und -zertifizierung. Mit den im Lieferumfang enthaltenen RJ45-Channel- und Permanent-Link-Adaptern können Kabelstrecken bis CAT. 8.1 zertifiziert werden. Eine Fehlerlokalisierung ist mittels integriertem Live-Verdrahtungsplan, RL-, NEXT- und Schirmungs-Locator möglich. Ergebnismanagement und Berichterstattung mit PASS/FAIL-Aussage mittels TestDataPro PC-Software und Cloud.

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