Sauber nach einem Klick? Was Vergleichstests von LWL-Reinigungsstiften zeigen
Ein Klick, und der LWL-Steckverbinder ist sauber? Ganz so einfach ist es nicht. Der Zustand der Faserendfläche ist bei Glasfaserverbindungen ein wichtiges Qualitätskriterium. IEC 61300-3-35 beschreibt deshalb Anforderungen, Verfahren und Bewertungskriterien für die visuelle Inspektion optischer Faserendflächen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Verschmutzungen, Kratzer und weitere Defekte.
Für Installation, Messung und Wartung stellt sich damit eine praktische Frage: Wie zuverlässig reinigt ein Reinigungsstift und reicht ein Reinigungsvorgang aus?
Vergleichstests von NTT Advanced Technology Corporation, kurz NTT-AT, liefern dazu konkrete Anhaltspunkte unter definierten Testbedingungen.
NEOCLEAN-F12 und F25: Welcher Stift passt?
NetPeppers vertreibt die Reinigungsstifte NEOCLEAN-F12 und NEOCLEAN-F25 von NTT-AT für verschiedene gängige LWL-Steckverbinder.
Der F12 ist für MU- und LC-Steckverbinder vorgesehen, der F25 für SC-, FC-, ST- und E2000-Steckverbinder. Beide Varianten sind für UPC- und APC-Systeme geeignet.
NTT-AT verwendet bei NEOCLEAN-F ein Hochleistungs-Reinigungsgarn zur Aufnahme von Fett und Staub. Das antistatische Material des Gehäuses soll die erneute Anlagerung von Staub durch statische Elektrizität reduzieren. Der Aufsatz lässt sich bei Nichtgebrauch am hinteren Ende des Cleaners befestigen, die Verbindungsschnur kann als Handschlaufe genutzt werden.
NEOCLEAN-F kann auch an Transceiver-Buchsen eingesetzt werden. Laut NTT-AT ist die Anwendung sowohl bei Stub- als auch bei linsenbasierten Schnittstellen möglich. Eine Beschädigung der Linse wurde nicht festgestellt, bei linsenbasierten Ausführungen ist jedoch kein Reinigungseffekt zu erwarten.
Was zeigt der Leistungsvergleich?
NTT-AT hat NEOCLEAN-F unter definierten Testbedingungen mit zwei Wettbewerbsprodukten verglichen. Laut NTT-AT umfasste der Reinigungstest 20 Samples mit LC-Steckverbindern, Stecker und Kupplung. Als Prüfgerät kam ein Viavi FBP-P5000i FiberChek Pro zum Einsatz. Als Pass-/Fail-Kriterium wurde der strenge Bewertungsstandard IEC 61300-3-35, Edition 2.0, verwendet.
Die Ergebnisse wurden getrennt für LC-Adapter beziehungsweise Kupplungen und LC-Stecker ausgewiesen.
Bei den LC-Kupplungen erreichten NEOCLEAN-F und Wettbewerbsprodukt B eine Pass-Rate von jeweils 100 Prozent, Wettbewerbsprodukt A 95 Prozent. Bei den LC-Steckern lagen die Werte bei 90 Prozent für NEOCLEAN-F, 80 Prozent für Wettbewerbsprodukt A und 75 Prozent für Wettbewerbsprodukt B.
Damit erzielte NEOCLEAN-F unter den geprüften Bedingungen die höchste Pass-Rate bei den getesteten LC-Steckern.
Nicht nur die Zahl der Klicks zählt
Auch bei der angegebenen Reinigungskapazität unterscheiden sich die Produkte: NTT-AT nennt für NEOCLEAN-F mehr als 1.000 Reinigungsvorgänge. Für die beiden im Vergleich betrachteten Wettbewerbsprodukte werden mindestens 500 beziehungsweise mindestens 775 Reinigungsvorgänge angegeben.
Die maximale Kapazität allein beschreibt jedoch noch nicht die Reinigungsleistung. Relevant ist auch, wie viele Reinigungsvorgänge bis zum gewünschten Prüfergebnis erforderlich sind.
Was zeigen die MPO-Vergleiche?
Weitere NTT-AT-Tests mit MPO-Reinigern zeigen, dass sich die Zahl erforderlicher Reinigungsvorgänge deutlich unterscheiden kann. Diese Untersuchungen betreffen jedoch NEOCLEAN-M und nicht NEOCLEAN-F12 oder F25. Die Ergebnisse sind daher nicht direkt übertragbar.
In einem Test mit MPO12/APC-Steckverbindern ohne Pins und künstlichem Hautfett erreichte NEOCLEAN-M nach einer Reinigung eine Pass-Rate von 95,9 Prozent je Faser, der Pen-Type-Vergleichsreiniger 57,2 Prozent. Nach drei Reinigungen lagen die Werte bei 99,7 beziehungsweise 95,9 Prozent.
In einem weiteren Vergleich gab NTT-AT an, dass das untersuchte Wettbewerbsprodukt durchschnittlich etwa 4,5 Reinigungsvorgänge benötigte, um eine vergleichbare Pass-Rate je Faser wie NEOCLEAN-M mit einer Reinigung zu erreichen.
Die MPO-Ergebnisse verdeutlichen damit vor allem einen Punkt: Neben der maximalen Reinigungskapazität kann auch die Zahl der tatsächlich erforderlichen Reinigungsvorgänge ein relevantes Bewertungskriterium sein.
Vergleichstests richtig einordnen
Die Vergleichstests wurden von NTT-AT, dem Hersteller der NEOCLEAN-Produkte, durchgeführt. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Ergebnisse unter spezifischen Testbedingungen erzielt wurden und in anderen Anwendungssituationen abweichen können. Die Resultate sind daher als dokumentierte Vergleichswerte unter den jeweiligen Prüfbedingungen zu verstehen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Für Installation, Messung und Wartung empfiehlt sich ein klarer Ablauf:
- Faserendfläche inspizieren: Vor dem Verbinden auf Verschmutzungen und Defekte prüfen.
- Passenden Cleaner verwenden: Reinigungsstift passend zu Steckverbinder, Ferrulengeometrie und Schliffart auswählen und korrekt anwenden.
- Erneut inspizieren: Nach der Reinigung kontrollieren, ob die Endfläche die festgelegten Kriterien erfüllt.
- Verbindung herstellen und bei Bedarf messen: Sind optische Leistungsparameter wie Einfügedämpfung oder Rückflussdämpfung nachzuweisen, müssen diese separat gemessen werden.
Entscheidend ist das Ergebnis nach dem Klick
Die Vergleichstests zeigen, dass sich Reinigungsstifte unter definierten Prüfbedingungen in ihrer Reinigungsleistung unterscheiden können. Für die Praxis zählt deshalb nicht allein die Zahl möglicher Reinigungsvorgänge. Entscheidend ist, dass der Cleaner zum Steckverbinder passt und die Faserendfläche zuverlässig reinigt.
Die Ergebnisse gelten für die konkret untersuchten Prüfbedingungen und lassen sich nicht uneingeschränkt auf andere Anwendungssituationen übertragen. Dennoch liefern sie einen dokumentierten Hinweis auf die Reinigungsleistung der getesteten NEOCLEAN-Systeme. Im LC-Vergleich erzielte NEOCLEAN-F bei den Steckern die höchste Pass-Rate der drei untersuchten Systeme.
Für Installateure bedeutet das: den passenden Cleaner auswählen, korrekt reinigen und das Ergebnis anschließend kontrollieren. So lässt sich Verschmutzung als vermeidbare Fehlerquelle reduzieren und eine wichtige Voraussetzung für zuverlässige Glasfaserverbindungen schaffen.