Kalibrierung
24
Aug
2026

LWL- und Netzwerkmessgeräte richtig kalibrieren

In der Praxis wird oft stillschweigend davon ausgegangen, dass Messgeräte korrekte Werte liefern. Genau hier liegt ein Risiko. Denn bereits kleine Abweichungen bei Dämpfung, Länge oder Zertifizierungsmessungen können dazu führen, dass Ergebnisse nicht mehr normgerecht sind

Das Problem bleibt lange unbemerkt. Es zeigt sich meist erst bei der Abnahme, im Audit oder bei der Fehlersuche, wenn Messergebnisse nicht reproduzierbar sind. Die Ursache ist häufig überraschend simpel. Ein nicht oder unzureichend kalibriertes Gerät.

Ob OTDR, Tier-1-Zertifizierer wie der SpicyONE, Kupferzertifizierer wie der AEM TestPro oder klassische Pegelmesser und Lichtquellen. Moderne Messgeräte sind zentrale Werkzeuge für Installation, Fehlersuche und Dokumentation von Netzwerken.

Doch selbst hochwertige Geräte liefern nur dann belastbare Ergebnisse, wenn sie regelmäßig überprüft und kalibriert werden.

Dieser Artikel zeigt, warum Kalibrierung in der Praxis oft unterschätzt wird, welche Risiken daraus entstehen und worauf es bei einem professionellen Kalibrierservice ankommt.
 

Was bedeutet die Kalibrierung von Netzwerkmessgeräten?

Bei der Kalibrierung wird geprüft, ob ein Messgerät innerhalb definierter Toleranzen arbeitet. Abweichungen werden dokumentiert und bei Bedarf korrigiert. Ziel ist es, dass Messwerte reproduzierbar, rückführbar und normkonform bleiben.

Das ist besonders im Außeneinsatz entscheidend. Transport, Temperaturwechsel und mechanische Belastung führen dazu, dass sich Messsysteme im Laufe der Zeit schleichend verändern.
 

Warum Messabweichungen zum Risiko werden

Nicht kalibrierte Messgeräte liefern nicht einfach nur leicht abweichende Werte, sondern können systematisch falsche Ergebnisse erzeugen.

Typische Folgen:

  • falsche Dämpfungswerte → Links werden fälschlich als „OK“ bewertet
  • fehlerhafte Längenangaben → Fehlerstellen werden falsch lokalisiert
  • ungenaue Zertifizierungsmessungen → Abnahmen werden angreifbar
  • fehlerhafte Ereigniserkennung → Spleiße oder Steckverbindungen werden übersehen


Das wirkt sich direkt auf Projekte aus:

  • unzuverlässige Fehlersuche
  • nicht belastbare Abnahmen
  • wertlose Dokumentation
  • Nacharbeiten und zusätzliche Kosten

Kalibrierung ist damit kein Formalismus, sondern die Grundlage für belastbare Entscheidungen im Projektalltag.
 

Welche Geräte sollten regelmäßig kalibriert werden?

Regelmäßige Kalibrierung betrifft nicht nur OTDRs, sondern nahezu alle Messgeräte in der Glasfaser- und Netzwerktechnik, darunter:

  • OTDRs für Tier-2-Messungen
  • Tier-1-Zertifizierer wie der SpicyONE
  • Kupferzertifizierer wie der AEM TestPro
  • optische Pegelmesser
  • Lichtquellen für Singlemode- und Multimode-Messungen

Gerade bei Geräten, die regelmäßig für Abnahmen oder Zertifizierungen eingesetzt werden, ist eine stabile Messgenauigkeit entscheidend.

Was wird typischerweise geprüft?

Welche Messgrößen bei der Kalibrierung geprüft werden, hängt vom jeweiligen Gerätetyp ab.

Bei OTDRs stehen beispielsweise folgende Parameter im Fokus:

  • Entfernungsanzeige
  • Dämpfung
  • Ereigniserkennung
  • Reproduzierbarkeit der Messergebnisse


Bei Tier-1-LWL-Zertifizierern werden insbesondere die für die Leistungsmessung relevanten Parameter kalibriert, beispielsweise:

  • Gesamtdämpfung
  • Entfernungsmessung


Bei Kupferzertifizierern betrifft die Kalibrierung andere elektrische Messgrößen, unter anderem:

  • DC-Widerstand
  • NEXT
  • Rückflussdämpfung
  • Einfügedämpfung


Ergänzend erfolgen häufig:

  • Funktionsprüfung 
  • Reinigung der optischen Schnittstellen 
  • Kontrolle von Anschlüssen und Adaptern 
  • Firmware- oder Softwareprüfung 

Die Ergebnisse der Kalibrierung werden in einem Kalibrierzertifikat nachvollziehbar dokumentiert.
 

Normen und Rückführbarkeit

Für viele Messgeräte existieren genormte Kalibrierverfahren und definierte Prüfvorgaben. Entscheidend ist jedoch weniger die einzelne Norm als die Rückführbarkeit der Kalibrierung.

Nur wenn Messergebnisse auf nationale oder internationale Referenzstandards zurückgeführt werden können, sind sie belastbar und auditfähig. Akkreditierte Kalibrierlabore gewährleisten, dass diese Kette an Referenzgeräten eingehalten wird. Eine echte Kalibrierung sollte also lückenlos auf entsprechende Kalibriernormale zurückgeführt werden können (SI-rückführbare Kalibrierung).

Gerade Unternehmen mit zertifizierten Qualitätsprozessen oder dokumentationspflichtigen Projekten sind darauf angewiesen, dass eingesetzte Messgeräte regelmäßig überprüft und rückführbar kalibriert werden.

Auch im Qualitätsmanagement nach ISO 9001 spielt die messtechnische Rückführbarkeit eine wichtige Rolle, wenn sie erforderlich ist, um verlässliche Messergebnisse sicherzustellen.
 

Kalibrierintervalle zwischen Theorie und Praxis

Wie oft ein Gerät kalibriert werden sollte, hängt vor allem von seiner Nutzung und Lagerung ab. Intensiv genutzte Messgeräte weisen naturgemäß einen höheren Verschleiß auf als Geräte, die die meiste Zeit unter optimalen Bedingungen bei Raumtemperatur und geringer Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Schock, mechanische Belastung und Verschmutzung haben ebenfalls Einfluss das empfohlene Intervall.

Die Beanspruchung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium. Da sie meist kaum quantifizierbar ist, müssen Messtechnikhersteller Kompromisse finden. Häufig ist daher das Intervall auf ein Jahr definiert. In manchen Situationen kann eine häufigere Kalibrierung jedoch sinnvoll.
 

Wann ein kürzeres Kalibrierintervall sinnvoll ist

Ein kürzeres Intervall kann sinnvoll sein bei:

  • starker Beanspruchung durch zahlreiche Messungen
  • häufigem Transport oder unsanftem Umgang
  • starken Temperaturwechseln
  • rauen Umgebungsbedingungen
  • plötzlich auffälligen Messwerten

Praxistipp: Prüfen Sie Ihr Messequipment regelmäßig an einer bekannten Referenz- bzw. Beispiel-Messstrecke auf korrekte Funktion und mögliche Abweichungen. So lassen sich Auffälligkeiten frühzeitig erkennen und eine notwendige Kalibrierung kann veranlasst werden, bevor ein größeres Mess- oder Abnahmeprojekt ansteht.
 

Woran Sie einen guten Kalibrierservice erkennen

Ein professioneller Kalibrierservice geht über den reinen Soll-Ist-Vergleich hinaus. Entscheidend ist, ob das Gerät im realen Einsatz zuverlässig arbeitet.

Aus unserer Erfahrung zeigt sich dabei ein klares Muster. Viele Messgeräte werden regelmäßig genutzt, aber nicht entsprechend kalibriert. Abweichungen entstehen schleichend und bleiben lange unbemerkt.

Ein guter Service umfasst daher:

  • Prüfung aller relevanten Messgrößen
  • transparente Rückführbarkeit
  • Funktionsprüfung unter realistischen Bedingungen
  • Reinigung und Kontrolle der Schnittstellen
  • ein nachvollziehbares Kalibrierzertifikat

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Abweichungen. Ein professioneller Service dokumentiert nicht nur Probleme, sondern korrigiert bei Bedarf durch Justage oder Reparatur.

Kalibrierung sollte deshalb kein einmaliger Pflichttermin sein, sondern Teil eines funktionierenden Messprozesses.

Was bietet NetPeppers

Wir bei NetPeppers verfolgen den Ansatz, eine Kalibrierung möglichst umfassend zu gestalten. Ziel ist es, die Messsicherheit wiederherzustellen und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Gerät für den weiteren Einsatz optimal vorbereitet ist.

Neben der eigentlichen Kalibrierung erfolgen daher auch eine Überprüfung der Gerätefunktionen, Software-Updates und gegebenenfalls notwendige Korrekturen an Hardware oder Zubehör. Solche Maßnahmen sind auch als Produktpflege oder Service-Aktion bekannt. Bei unserem NetPeppers OTDR1000 sieht das beispielsweise so aus: 

Überprüfung der Hardware: 

  • Prüfen der Ferrulen der OTDR-Messports auf Beschädigungen und Verschmutzungen nach DIN EN 61300-3-35 
  • Bei Bedarf Reinigung oder Austausch des Messports  
  • Sichtprüfung auf weitere Defekte 
  • Überprüfung der Software:  
  • Einspielen des neuesten Firmware-Updates 

Kalibrierung: 

  • Überprüfung aller relevanten Parameter auf Einhaltung der vorgegebenen Toleranzbereiche, beispielsweise Ereignistotzone, Dämpfungstotzone, Dynamikbereich und VFL-Ausgangsleistung etc., unter Zuhilfenahme kalibrierter Referenzgeräte.
  • Bei Bedarf Nachjustierung der entsprechenden Ist-Werte, bis die vorgegebenen Soll-Werte erreicht werden.

Überprüfung des Zubehörs: 

  • Sicht- und Funktionsprüfung des mitgelieferten Zubehörs.
  • Bei beschädigtem Equipment Austausch im Rahmen der Gewährleistung oder Angebotserstellung an den Einsender des Geräts.

Die neuen Ist-Werte werden dokumentiert und in einem Kalibrierzertifikat festgehalten. Das Ergebnis der Endflächenbetrachtung wird ebenfallst dokumentiert und als Bericht beigelegt. 

Aber auch bei Kupferzertifizierern wie dem AEM-TestPro durchläuft das Gerät am Ende der Kalibrierprozedur einen Testparcours zur Verifizierung der einwandfreien Funktionsfähigkeit. Beigelegte Adapter und Messkabel werden geprüft. 

Unser Ziel ist es, dass Geräte zur Kalibrierung unser Haus so verlassen, dass Sie zu 100% der Leistungsfähigkeit eines Neugeräts entsprechen und von den neusten Updates profitieren.  Auf unserer Seite Kalibrierservice können Sie unseren Kalibrierservice für folgende Geräte anfordern:

OTDR, SM,MM und Quad
AEM TestPro
SpicyONE


Kalibrierung allein reicht nicht

Für belastbare Messergebnisse ist die Kalibrierung nur ein Baustein.

Genauso wichtig sind:

  • saubere Steckverbinder
  • geeignete Launch- und Receive-Fasern
  • die richtige Wellenlänge
  • passende Messparameter
  • korrektes Zubehör und geeignete Adapter

Gerade bei Abnahmen gilt: Nicht nur das Gerät muss stimmen, sondern der gesamte Messaufbau.
 

Fazit

Die regelmäßige Kalibrierung von LWL- und Netzwerkmessgeräten sorgt dafür, dass Messungen belastbar, vergleichbar und normkonform bleiben. Sie reduziert Risiken bei Abnahmen, unterstützt Qualitätsmanagementprozesse und verhindert kostspielige Fehlinterpretationen.

Entscheidend ist ein konsequenter Umgang mit der eigenen Messtechnik. Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kalibrierintervalle und achten Sie auf einen Service, der Transparenz, Rückführbarkeit und praxisnahe Prüfungen gewährleistet.

 

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